Donnerstag, 28. Oktober 2010
Was lange währt...
Als OSKAR heute nach Hause kam, fand er in seinem Briefkasten unter anderem - wieso liegen da eigentlich diverse Schlüssel? - den Brief eines namhaften, großen und magentafarbenen Telekommunikationskonzerns mit Sitz am früheren Standort der Bundesregierung. Was OSKAR verwunderte, war die Tatsache, dass er an ihn direkt adressiert war, keine Hinweise auf Werbung enthielt und auf eine gewisse Weise etwas 'Offizielles' atmete. OSKAR ist kein Kunde dieses Vereins.
Auf seinem Weg durchs Treppenhaus schlitzte er zunächst andere Post - sämtlichst Werbung - auf und stellte sich, derart konditioniert, auf eine Werbesendung auch der Bonner Reklameabteilung ein. Weit gefehlt!

"Sehr geehrter Herr >>OSKAR<<,

die >>namhafter, großer und magentafarbener Telekommunikationskonzern mit Sitz am früheren Standort der Bundesregierung<< hat Ihr vor geraumer Zeit zugesandtes Umtauschbegehren für Ihre außer Kraft gesetzten 1 Telefonkarte(n) erneut geprüft. [...]"


OSKAR stellten sich blitzartig zwei Fragen. Erstens: Wie konnte er sein bisheriges Leben derart zufrieden und ohne nennenswerte Reibungsverluste auch und gerade im Geschäftsbriefverkehr meistern, ohne je das Wort "Umtauschbegehren" aktiv in seinen Wortschatz aufgenommen zu haben? Zweitens: Worauf spielten die Brüder an? Er hatte nix zum (Um)Tauschen! Nichtsdestotrotz schienen sie es ernst zu meinen, denn es war eine Telefonkarte beigelegt, und die Brüder aus Bonn behaupteten, diese sei mit einem Betrag von EUR 6,03 aus "übertragenem Restguthaben" versehen. - Gut, OSKAR hatte mal vor einiger Zeit zwei alte Telefonkarten, deren Verfallsdatum überschritten war und die ihren Dienst daher nicht mehr taten, in eine Filiale getragen. Er hatte damals nur für eine Karte Ersatz bekommen; bei den anderen sprachen, so der freundliche Kundenberater mit magentafarbener Krawatte, irgendwelche Gründe dagegen. - Sollten die Jungs in Bonn jetzt aber tatsächlich...? Immerhin schrieben sie OSKAR nun von "erneut geprüft"...?

Erst in diesem Moment fiel OSKARs Blick auf die in Schriftgröße 0,00003 gedruckte Betreffzeile des Briefes: "Ihre Reklamation vom 10.01.2008". Vermutlich waren die da in Bonn so lange mit dem Bespitzeln von Kollegen, Journalisten und sonstwem beschäftigt gewesen. Nachdem die Abteilung aufgelöst wurde, konnte die Bearbeitung von "Umtauschbegehren" beschleunigt und die vormals in der nun aufgelösten Abteilung tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt mit anderen - dann doch irgendwie sinnvolleren - Aufgaben betraut werden. Erinnert so ein bisschen an die entsprechende Szene in von Donnersmarck's "Das Leben der anderen".

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