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Sonntag, 22. August 2010
Sonntagnachmittag...
oskar-kasimir, 23:48h
... im Spätsommer.


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Samstag, 7. August 2010
Martin Suter: Der Koch
oskar-kasimir, 13:51h
Um es gleich vorweg zu nehmen: OSKAR ist nach der Lektüre - und eigentlich war er es schon weit vor Ende - des neuen Buches von Martin Suter enttäuscht. Es scheint, dass der Autor von Small World, Der letzte Weynfeldt, Lila Lila oder Die dunkle Seite des Mondes mit wenig Begeisterung seine Romanseiten füllte.
Der Koch ist die Geschichte des vor dem Krieg in seiner Heimat geflohenen Tamilen Maravan, der nun in der Schweiz lebt. Geschildert wird sein Leben in der Zeitspanne März 2008 bis März 2009. Nach seiner fristlosen Entlassung als Küchenhilfe gründet er, der in seiner Heimat das Kochen als sinnliche Kunst erlernte, gemeinsam mit einer ehemaligen Kellnerin desselben Restaurants den Cateringservice Love Foods. Maravans Kochkünste nämlich vermögen die Gefühle derart in Wallung zu bringen, dass auch Paare, die seit langem kein Feuer mehr verspüren, wieder große Lust aufeinander bekommen. Das Geschäft - anfänglich für Maravan schwer zu akzeptieren - wird aber allmählich zu einem Dienstleister im Escortbereich der gehobenen Gesellschaft und sein Ehrgefühl als Koch und als tamilischer Mann damit auf eine schwere Probe gestellt, da die Kunden ihn nun als "Sexkoch" ansehen und sein Können unter dem Gesichtspunkt ihrer sexuellen Potenz beurteilen.
In diesem Setting verknüpft Suter handwerklich gekonnt, aber ohne Würze, Realität und Fiktion. So flicht er immer wieder verschiedene Ereignisse der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie des Atomskandals in der Schweiz ein. Insbesondere Herr Dahlmann, zwielichtige Figur und im Wesentlichen Vermittler von Kontakten, bildet dabei die Verbindung zur fiktiven Geschichte Maravans. Wobei es augenfällig ist, dass Maravan stellvertretend für viele im Exil lebende alleinstehende Tamilen steht. Allein in einem in allem fremden Land, in der die Diasporagemeinschaft umso enger zusammenrückt - was auch eine starke soziale Kontrolle bedeutet. Es wundert daher wenig, wenn eine junge Frau tamilischer Abstammung auftaucht, die jedoch vollkommen in der schweizer Gesellschaft verankert und zugleich den Sitten und Traditionen ihrer Eltern verhaftet ist. Maravan und sie verlieben sich - gegen allen Widerstand der Eltern der jungen Frau. Dieser rührt aus dem Kastendenken ("man muss eben aus der richtigen der abgeschafften Kasten stammen") sowie aus der Tatsache, dass es traditionell die Eltern sind, welche eine Ehe anbahnen.
Schließlich erzählt Suter von Maravans Familienbande, die sehr stark ist und ihn um seine Verwandten in der Heimat bangen lässt. Er schickt ihnen von seinem Einkommen, muss aber zugleich die auch im Exil tätigen "Tamil Tigers" finanziell unterstützen, die ihn unverholen erpressen.
Suter mag all diese Aspekte aus edlen Motiven aufgreifen, es wirkt aber leider pflichtschuldig, wenn er hinsichtlich Maravans Familie und des Krieges in Sri Lanka von Kindersoldaten und der Ignoranz der westlichen Gesellschaften gegenüber diesem schmutzigen Krieg schreibt.
Alles in allem weiß der Autor, welcher Rezeptur er zu folgen hat, um einen ordentlichen Roman zu komponieren. Und ein ordentlicher, bodenständiger Roman ist es ohne Frage. Wie aber auch ein Gericht unterschiedlich schmecken und unterschiedlich sättigen kann, so bleibt Der Koch weit hinter den Erwartungen und den bisher vorgelegten Büchern von Martin Suter zurück. Handwerklich sauber, aber leidenschaftslos gearbeitet, so der Eindruck. Es ist bedauerlich, dass er aus diesem Stoff nicht mehr gemacht, seiner Geschichte nicht mehr Schärfe und damit Würze verliehen hat. Was bleibt, ist daher ein etwas fader Nachgeschmack. Schade!
Der Koch ist die Geschichte des vor dem Krieg in seiner Heimat geflohenen Tamilen Maravan, der nun in der Schweiz lebt. Geschildert wird sein Leben in der Zeitspanne März 2008 bis März 2009. Nach seiner fristlosen Entlassung als Küchenhilfe gründet er, der in seiner Heimat das Kochen als sinnliche Kunst erlernte, gemeinsam mit einer ehemaligen Kellnerin desselben Restaurants den Cateringservice Love Foods. Maravans Kochkünste nämlich vermögen die Gefühle derart in Wallung zu bringen, dass auch Paare, die seit langem kein Feuer mehr verspüren, wieder große Lust aufeinander bekommen. Das Geschäft - anfänglich für Maravan schwer zu akzeptieren - wird aber allmählich zu einem Dienstleister im Escortbereich der gehobenen Gesellschaft und sein Ehrgefühl als Koch und als tamilischer Mann damit auf eine schwere Probe gestellt, da die Kunden ihn nun als "Sexkoch" ansehen und sein Können unter dem Gesichtspunkt ihrer sexuellen Potenz beurteilen.
In diesem Setting verknüpft Suter handwerklich gekonnt, aber ohne Würze, Realität und Fiktion. So flicht er immer wieder verschiedene Ereignisse der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie des Atomskandals in der Schweiz ein. Insbesondere Herr Dahlmann, zwielichtige Figur und im Wesentlichen Vermittler von Kontakten, bildet dabei die Verbindung zur fiktiven Geschichte Maravans. Wobei es augenfällig ist, dass Maravan stellvertretend für viele im Exil lebende alleinstehende Tamilen steht. Allein in einem in allem fremden Land, in der die Diasporagemeinschaft umso enger zusammenrückt - was auch eine starke soziale Kontrolle bedeutet. Es wundert daher wenig, wenn eine junge Frau tamilischer Abstammung auftaucht, die jedoch vollkommen in der schweizer Gesellschaft verankert und zugleich den Sitten und Traditionen ihrer Eltern verhaftet ist. Maravan und sie verlieben sich - gegen allen Widerstand der Eltern der jungen Frau. Dieser rührt aus dem Kastendenken ("man muss eben aus der richtigen der abgeschafften Kasten stammen") sowie aus der Tatsache, dass es traditionell die Eltern sind, welche eine Ehe anbahnen.
Schließlich erzählt Suter von Maravans Familienbande, die sehr stark ist und ihn um seine Verwandten in der Heimat bangen lässt. Er schickt ihnen von seinem Einkommen, muss aber zugleich die auch im Exil tätigen "Tamil Tigers" finanziell unterstützen, die ihn unverholen erpressen.
Suter mag all diese Aspekte aus edlen Motiven aufgreifen, es wirkt aber leider pflichtschuldig, wenn er hinsichtlich Maravans Familie und des Krieges in Sri Lanka von Kindersoldaten und der Ignoranz der westlichen Gesellschaften gegenüber diesem schmutzigen Krieg schreibt.
Alles in allem weiß der Autor, welcher Rezeptur er zu folgen hat, um einen ordentlichen Roman zu komponieren. Und ein ordentlicher, bodenständiger Roman ist es ohne Frage. Wie aber auch ein Gericht unterschiedlich schmecken und unterschiedlich sättigen kann, so bleibt Der Koch weit hinter den Erwartungen und den bisher vorgelegten Büchern von Martin Suter zurück. Handwerklich sauber, aber leidenschaftslos gearbeitet, so der Eindruck. Es ist bedauerlich, dass er aus diesem Stoff nicht mehr gemacht, seiner Geschichte nicht mehr Schärfe und damit Würze verliehen hat. Was bleibt, ist daher ein etwas fader Nachgeschmack. Schade!
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Freitag, 6. August 2010
Friedliches Idyll - gut bewacht
oskar-kasimir, 00:24h
Wer kennt sie nicht: Kleingartenkolonien. Bevölkert einstmals von dem Himmel zustrebenden Bohnen, in Reih und Glied stehenden Karotten, Radieschen und Zwiebeln. A-k-k-u-r-a-t geharkte Kieswege, exakt gleich lange Rasenhalme, dezent deplatziert platzierte Kitschartikel. Und irgendwo ein Hüttchen, das dem eifrigen Gartenorganisator und Herren von Rüben, Bohnen, Kies und Kitsch Trutzburg, Schutz- und Werkraum, Wohnzimmer und Zufluchtsort vor dem Bösen in der Welt ist.
Auch in der Stadt am großen Fluss gibt es Gartenkolonien. Allerdings musste OSKAR bei einem sehr ausgedehnten Spaziergang zu beiden Ufern des Flusses feststellen, dass es sie zwar noch gibt, die Gärten, in denen mit Lineal und Zirkel gearbeitet wird. In großer Überzahl waren indes solche Gärten, die nicht von einem übermächtigen Big-Brother-Vereinsreglement überwacht bestellt werden müssen. Da waren gemütliche, verwilderte, edle, spielplatzgleiche oder irgendwie-so'n-Garten-halt Gärten zu finden. Ihre Anordnung, Abgrenzung voneinander, die Namen der Zufahrtswege und manche Hütte indes ließen auch hier noch die Vergangenheit erahnen. OSKAR und seine Besucherin befanden sich auf einer Safari in den Weiten des Cäcilienweges, als sie eines besonders interessanten Gartens ansichtig wurden. Sie verweilten, schauten und waren doch auch beeindruckt - von so viel Spießerkitsch.
Plötzlich donnert's durchs Gehölz von der anderen Seite des Weges im Garten in ihrem Rücken: "Verpiss Dich!" Zwischen Tanne, Apfelbaum und inmitten gammelig dreinschauender Brennnesseln stand Einer, der wie der böse Waldgeist persönlich, allerdings mit Muskelshirt und irrem Blick, aussah. - OSKAR als auch seine Begleitung waren irritiert. Eine derart garstige Ansprache inmitten dieses kleingärtnerischen Idylls? Aber ja, sie hatten sich nicht verhört. OSKAR suchte zu beschwichtigen. Hoffend, das Rumpelstilzchen damit zu beruhigen und zu verdeutlichen, dass sie beide nix Böses in diesen Hain friedfertigen Kleingärtnerns tragen würden. Dieses aber erwiderte nicht minder garstig als zuvor: "Pass auf, sonst hast'e 'nen Loch im Kopf!"
Eingedenk diverser Zeitungsberichte, dass es just Kleingärtner sind, die ihre Meinungsverschiedenheiten zuweilen auf eine Art austragen, bei denen die Experten für psychologische Kriegsführung im Pentagon noch manches lernen könnten und wissend, dass der Schuppen eines Kleingeistigengärtnernden all' das beherbergt, was er zu Hause nicht bunkern darf - hektoliterfässerweise Terpentin, Schusswaffen, mit denen Oppa in Stalingrad kämpfte, Spitzhacken und Salzsäurevorräte, womöglich Kampfmaden und Schreckenspflanzen - zog es OSKAR samt Begleitung weiter. Während sie also fassungslos und sich sammelnd den Ort verließen, hörten sie beide den stumpfen Aufschlag eines Gegenstandes hinter ihnen. Es war nicht mehr zu erkennen, was dieses Geräusch verursachte: ob eine kleingärtnerische Bombe oder einfach nur ein vorwitziger Apfel, der aus dem Nichts fiel. Sie einigten sich auf die Bombe, weil es so schön passte.
OSKAR muss also feststellen, dass in der Stadt am großen Fluss und allzumal in den Kolonien entlang des Flusses einer auf den anderen aufpasst und Eindringlinge direkt ins Visier genommen werden. Er wird dann nicht das höflich-distanzierte des Hanseaten kennenlernen, sondern seine ihm - offensichtlich - ebenfalls eigene Weise, sich zur Wehr zu setzen. Er fragt sich indes, ob man als Kleingärtner möglicherweise eine von der jeweiligen Kolonie finanzierte Nahkampfausbildung zur erfolgreichen Verteidigung des eigenen wie auch des Nächsten Territoriums, Apfelbaum und Gartenzwergs erhält!
Auch in der Stadt am großen Fluss gibt es Gartenkolonien. Allerdings musste OSKAR bei einem sehr ausgedehnten Spaziergang zu beiden Ufern des Flusses feststellen, dass es sie zwar noch gibt, die Gärten, in denen mit Lineal und Zirkel gearbeitet wird. In großer Überzahl waren indes solche Gärten, die nicht von einem übermächtigen Big-Brother-Vereinsreglement überwacht bestellt werden müssen. Da waren gemütliche, verwilderte, edle, spielplatzgleiche oder irgendwie-so'n-Garten-halt Gärten zu finden. Ihre Anordnung, Abgrenzung voneinander, die Namen der Zufahrtswege und manche Hütte indes ließen auch hier noch die Vergangenheit erahnen. OSKAR und seine Besucherin befanden sich auf einer Safari in den Weiten des Cäcilienweges, als sie eines besonders interessanten Gartens ansichtig wurden. Sie verweilten, schauten und waren doch auch beeindruckt - von so viel Spießerkitsch.
Plötzlich donnert's durchs Gehölz von der anderen Seite des Weges im Garten in ihrem Rücken: "Verpiss Dich!" Zwischen Tanne, Apfelbaum und inmitten gammelig dreinschauender Brennnesseln stand Einer, der wie der böse Waldgeist persönlich, allerdings mit Muskelshirt und irrem Blick, aussah. - OSKAR als auch seine Begleitung waren irritiert. Eine derart garstige Ansprache inmitten dieses kleingärtnerischen Idylls? Aber ja, sie hatten sich nicht verhört. OSKAR suchte zu beschwichtigen. Hoffend, das Rumpelstilzchen damit zu beruhigen und zu verdeutlichen, dass sie beide nix Böses in diesen Hain friedfertigen Kleingärtnerns tragen würden. Dieses aber erwiderte nicht minder garstig als zuvor: "Pass auf, sonst hast'e 'nen Loch im Kopf!"
Eingedenk diverser Zeitungsberichte, dass es just Kleingärtner sind, die ihre Meinungsverschiedenheiten zuweilen auf eine Art austragen, bei denen die Experten für psychologische Kriegsführung im Pentagon noch manches lernen könnten und wissend, dass der Schuppen eines Klein
OSKAR muss also feststellen, dass in der Stadt am großen Fluss und allzumal in den Kolonien entlang des Flusses einer auf den anderen aufpasst und Eindringlinge direkt ins Visier genommen werden. Er wird dann nicht das höflich-distanzierte des Hanseaten kennenlernen, sondern seine ihm - offensichtlich - ebenfalls eigene Weise, sich zur Wehr zu setzen. Er fragt sich indes, ob man als Kleingärtner möglicherweise eine von der jeweiligen Kolonie finanzierte Nahkampfausbildung zur erfolgreichen Verteidigung des eigenen wie auch des Nächsten Territoriums, Apfelbaum und Gartenzwergs erhält!
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