Dienstag, 9. März 2010
Zum Weltfrauentag
Mann: Ist das Ihre Tasche?
Frau: Nein.
Mann: Würden Sie die bitte wegnehmen?
Frau: Öh, die ist nicht von mir.
Mann (schneidend): Ich möchte mich dort hinsetzen.
Frau: Ja. Die Tasche ist wohl von jemand anderem. Vielleicht holt sich jemand gerade eine Tramkarte?
Mann (einigermaßen scharf im Ton und mit gespielter Ironie und mit einigermaßen rotem Gesicht): Hören Sie, Sie könnten die Tasche ja auch auf den Schoß nehmen!
Frau: DAS.IST.NICHT.MEINE!

Mann: Natürlich ist das Ihre. Da könnte ja jeder kommen!!!

An der nächsten Haltestelle kommt ein junge Frau, die OSKAR schon gesehen hatte, weil sie wild fuchtelnd hinter der Bahn hergerannt war, mit keuchendem Atem zur Tram reingespurtet: "Oh, da steht sie noch!"

Mann zu der Frau, die er vorher der Sitzblockade verdächtigt hatte: Wie blöd muss man sein, seine Tasche in der Bahn stehen zu lassen!

*kopfschüttel*

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Sonntag, 7. März 2010
Nineteen Eighty-Four
Noch immer wird in der Schule George Orwells Roman 1984 gelesen. OSAKR hat es vor weit über zehn Jahren auch durchgekaut. Natürlich war es irgendwie gruselig. Insgesamt aber eben auch nur eine der Pflichtlektüren im Englischkurs.
Eher zufällig, aus einer Laune heraus zog er das 'Schulbuch' aus dem Regal und fing zu lesen an. Seite um Seite wurde er weiter hineingezogen in dieses Werk, das sich ihm diesmal ganz anders öffnete. Fesselnd, aber nicht im Sinne einer spannungsgeladenen Geschichte, sondern weil sich hier gekonnt verschiedene Erzählebenen, Fragen und Themen übereinanderlegen. Die Geschichte des totalitären Überwachungsstaates, die Rolle des (kritischen) Individuums in einer gleichgeschalteten Gesellschaft, das Verhältnis von Eliten und Massen, Krieg und Frieden, Wahrheit und Lüge, Liebe und Hass. Das Bild, welches Orwell nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und während des Heraufziehens des Kalten Krieges zeichnet, ist zweifellos ein düsteres. In vielem nahezu von hellsichtiger Klarheit, höchstens um ein paar Jahre verschoben, skizziert er eine damals zukünftige, in Teilen heute überwundene, möglicherweise aber auch reale Welt, in der die alles überwölbende Frage nach „Macht“ und ihrer Ausformung im Sinne von Herrschaft radikal gestellt wird. Zuspitzend und polemisierend warnt er vor jeder herrschaftlichen Totalität – der starke Mann, der Große Bruder, führt nicht zu langfristigem Wohlstand, Glück und Zufriedenheit, sondern zu Kontrolle von Denken und Sein, Unterwerfung, Willkür, Furcht, Gleichgültigkeit. Orwells Buch ist ein Aufruf an alle Demokraten, sich ihrer Verantwortung und Pflicht der Gesellschaft gegenüber bewusst zu sein, diese zu fördern und zu verteidigen, nicht blind zu gehorchen, aber stattdessen kritisch und hinsehend die eigene Gesellschaft zu hinterfragen, ihre Entwicklung zu begleiten. Mag auch das Ende, die psychische Vernichtung des Protagonisten und die Auslöschung seiner Liebe, bitter sein, so sieht Orwell hierin doch nicht das zwangläufige Ende der Menschheit besiegelt, sondern umschreibt ein Szenario, das eintreten mag, werfen wir uns nicht mit aller Kraft in die Arme derer, die unser Denken zu manipulieren, Gleichgültigkeit der Gesellschaft hervorzurufen und alleinige Wahrheiten zu verankern versuchen. Sei es, sechzig Jahre nach Erstauflage uns allen Auftrag, sowohl gegenüber vermeintlicher „sicherheitsbedingter Notwendigkeiten“ in der staatlichen Exekutive und Legislative als auch gegenüber übergroßen und kaum mehr zu kontrollierenden Meinungs- und Datensammlern und –machern äußerst wachsam zu sein und im Zweifelsfall laut ‚NEIN‘ zu sagen.

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Freitag, 5. März 2010
Es gibt Tage...
Es gibt diese Tage, an denen sich das qualvolle und überaus große Überwindung kostende Verlassen der Bettstatt durch nichts bezahlt macht; Spinnen, die einen beim Gang ins Badezimmer aus der Duschwanne begrüßen, mühevolle Tageslasten, nach altem Kaffee und noch älterem Schweiß stinkende Gesprächspartner, defekte Glühbirnen, im Supermarkt nur eine Kasse geöffnet und an der sitzt der Welt langsamste Kassiererin.
Und dann gibt es die anderen Tage. OSKAR hat sich fest vorgenommen, diesen in seinem Leben mehr Raum zu geben, sich an den andernorts immer wieder gern zitierten ‚kleinen Dingen des Lebens‘ wahrhaft zu erfreuen, die Tage entsprechend zu würdigen.

Nach einer ebenso erholsamen wie auch von überaus angenehmen Träumen begleiteten Nacht wurde OSKAR zwar in aller Herrgottsfrühe, aber nicht unsanft vom Wecker aus dem Schlaf gerissen, sondern mit Milde und Wärme in den Tag gezogen: er wunderte sich, warum es in seiner Butze derart hell war. Die Sonne! Von einem azurblauen Himmel strahlte sie mit einer Pracht, dass sie OSKAR vergessen machte, dass sie es während der zurückliegenden zehn Monate vorgezogen hatte, sich hinter einer schier undurchdringlichen wie auch auf scheinbar ewigen Bestand hin ausgelegten eisig-grauen Wolkenwand zu verschanzen. Im Badezimmer keine Rasierunfälle und keine Zahnputzspritzer am Spiegel, in der Küche ausreichend und noch frische Milch fürs Müsli. Mit ausreichend Zeit zur Tramhalte geschlendert durch zwar kühle, aber angenehm frische Luft und unter freundlicher Begleitung der Sonnenstrahlen. Die Bahn kam pünktlich, ein Sitzplatz frei. Ihm gegenüber eine junge Frau mit Krücken. Keine dieser Trusen, die mit ihren wasserstoffblonden Haarmähnen und ihren Schminktipps aus irgendwelchen völlig überteuerten, sämtlichst aus einem Verlag stammenden Meeedchenheften, alle gleich aussehen. Beim Setzen begegnete sie OSKARs Blick mit einem zaghaften Lächeln. Ihre Augen strahlten eine enorme Lebensfreude aus, ohne dass sie ein frühmorgendlicher Gute-Laune-Bär gewesen wäre. Wahrhaftig stellte OSKAR fest, dass sich ihre Schönheit nicht unmittelbar aufdrängte – sie entsprach keinem klassischen Schönheitsideal. Dennoch war sie von einer Schönheit und Ausstrahlung, dass er die Fahrt über leise lächelte und feststellte, dass sie beide sich immer wieder flüchtige Blicke aus den Augenwinkeln zuwarfen.
Als er die Bahn verließ, verabschiedete er sich mit einem Lächeln und wünschte ihr schnelle und gute Besserung; sie dankte es ihm mit einem Strahlen. Der Rest des Tages verlief zufriedenstellend, wenn auch ohne weitere Höhepunkte. Bei einem solchen Tagesanfang indes ruhte OSKAR derart in sich selbst, dass sogar das von ihm selbst aufgrund einer kurzen Unachtsamkeit verursachte und vor allem endgültige Löschen einiger wichtiger Datensätze in seinem Literaturverwaltungsprogramm ihn zwar einen Stich spüren ließ, dieser Lapsus ihn indes nicht um die positive Grundstimmung zu bringen vermochte. – Dass der Obstsalat am Abend enorm lecker war, rundete das Gesamtbild ab und lässt ihn nun beschwingt und mit einer gewissen Heiterkeit seine Kissen aufsuchen…

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