Freitag, 19. Juni 2009
Das Lieben erleben
Bei allem Verlieben schwingt nach einer wahrhaft großen, aber gescheiterten Liebe die Angst des erneuten Scheiterns mit. Glücklich derjenige, der eine neue Liebe tatsächlich wie ein neues Leben erfährt und frei ist von omnipräsenter Erinnerung und daraus resultierender Sorge.
Die Erkenntnis aber, dass ein Jeder nur dieses eine Leben hat, lässt OSKAR schaudern, weil er erkennt, dass er schon viel Lebenszeit nicht selbst aktiv gestaltet hat, sondern sich hat treiben lassen in den Wassern, die von anderen Menschen, Gruppen, Umständen, Situationen bewegt wurden. Das gilt in Ansätzen auch für seine so große Liebe… Das bot – vermeintlich – Sicherheit, aber das Streben nach Glück in dieser Form der Bewegung und Lebensgestaltung kann dabei nur mäßig gelingen und führt wohl kaum zum Erfolg. Denn das Streben nach Glück bedeutet Aktivität, Suche, das Erweitern des Horizonts – und es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die ganz aus einem selbst kommen. Möglichst unabhängig von dem, was andere Menschen für ‚richtig‘ halten oder gar für ‚das beste für jemand anderen‘.
Dieser Tage in Genf erfährt er, wie frei er doch eigentlich ist und wie sehr er während der letzten Monate sich schon wieder bequem im Altvertrauten einzurichten begann, obwohl er doch tief drinnen wusste, dass es eben nicht zu seinem Ziel führt. Das Kämpfen für sich und das Entscheiden gegen andere Überzeugungen muss er noch lernen bzw. das Gelernte verinnerlichen. Es gilt aber auch: die Erkenntnis dessen mag der erste Schritt sein. Und der ist wohl auch hier am schwierigsten zu gehen. – Dass Veränderungen wohltuend sind und bereichernd, prägend und ihn vorwärts bringen, das weiß er inzwischen aus eigener Erfahrung, und so wird ihm der zweite Schritt hoffentlich nicht zu schwer fallen. Es ist ihm, da er diese Zeilen schreibt, fast so, als würde sich eine stille Freude immer stärker an die Oberfläche drängen, um allen, die es (nicht) wissen wollen, mitzuteilen, dass wir kraftvoll, sicheren Schrittes in die Welt gehen sollten. Nicht blind oder leichtfertig, aber eben auch nicht verzagt oder ausschließlich nur auf Risikominimierung bedacht.
Es gilt für so vieles – für die Liebe aber allzumal!

Während er abends eine alte Platte von Nena hörte, blieben ihm besonders diese Worte im Ohr und dann in seinen Gedanken kreisen: Auch die Sehnsucht und das Glück kommt über Nacht. Ich will lieben, auch wenn man dabei Fehler macht. – Ja, es scheint, als sei OSKAR wieder bereit, sich auf einen anderen Menschen in Liebe – mit all’ ihren Risiken, Unwägbarkeiten, aber auch ihren Momenten exklusivsten Glückes und tiefster Geborgenheit – einzulassen. Grundsätzlich. Verliebt ist er (noch) nicht, aber, das kann ja „über Nacht“ kommen…

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Mittwoch, 17. Juni 2009
Glücksmomente
Fähige und dabei höchst nette Bibliothekare sind selten. In der UNO-Bibliothek in Genf wurden von OSKAR gleich mehrere dieser Exemplare gesichtet. Er freut sich und räumt mit ihrer Hilfe viele Probleme beiseite. Dass er dazu noch gratis kopieren kann... :-)

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Dienstag, 16. Juni 2009
Wiedersehen

GENUG OFT

Genug oft, dass zwei Menschen sich berühren,
– nicht lieblich, geistig nur – dass sie sich sehn,
dass sie sich einmal gegenüberstehn –
um sich danach vielleicht auf immer zu verlieren.

Genug oft, dass ein Lächeln zweier Seelen
vermählt – oh, nicht vermählt ! nur dies: sie führt,
so vor einander schweigend und erschüttert,
daß ihnen alle Wort’ und Wünsche fehlen,
und jede, unaussprechlich angerührt,
nur tief vom Zittern der verwandten zittert.

(Christian Morgenstern)



Wie ein Wiedersehen wohl ablaufen würde? Keine Erwartungen, kein Druck; Neugier auf beiden Seiten, aber doch auch banges Fragen, wie es wohl werden würde. Es waren aufregende Wochen, wenige Monate nur, in der die V-Frau und OSKAR einander begegneten, sich sahen, in denen sie voneinander fasziniert waren und in unterschiedlichem Tempo sich aufeinander einzulassen bereit waren. Es war ein Abschied, ein unbewusster, ein so von beiden nicht gewolltes „Adieu“. Und dennoch wussten sie beide, spürten sie beide, dass sie einander verbunden waren, weil sich ihre Seelen begegnet waren, wie dies nicht oft zwischen Menschen geschieht. Allzumal nicht zwischen Menschen, die sich erst so kurz und auch so wenig kennen. Dieses tiefe Einverständnis dauerte fort, ohne, dass sie einander großartig sprachen oder gar von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden hätten.
Und nun, in Genf, sollte es zu einem Wiedersehen kommen. Konnte es da überhaupt sein, dass weder sie noch er Erwartungen an- oder gewisse Hoffnungen aufeinander hegten?
Sie verbrachten ein langes, gemeinsames Wochenende. Und für beide, die V-Frau wie für OSKAR war es mehr als einmal so, als seien sie sich schon seit Jahren vertraut wie es sonst nur beste Freunde sein können. Keine verschämten oder genanten Blicke oder ausweichende Antworten auf Fragen, die das Innerste berührten. Keine Scheu, von eigenen Gefühlen und Gedanken zu erzählen, die einen antreiben, umtreiben, nicht zur Ruhe kommen lassen. Zugleich erlebten sie beide eine Leichtigkeit in diesen Tagen, die OSKAR seit langem nicht mehr verspürt hat. Da war viel Lachen, Scherzen, Quatsch und Unsinn, sie entdeckten Teile und Zeiten der Stadt, die OSKAR noch fremd waren. Und immer begegneten sie sich auf Augenhöhe. Ihr Umgang war geprägt von einer tiefen, fast geschwisterlichen Zuneigung, die sie beide ruhig werden ließ. Ihr Zusammensein als auch die Stadt, die sich unter einer hellen Sonne in ein mediterranes Gewand gehüllt hatte, bot ihnen beiden eine Insel der Ruhe und Entspannung inmitten zweier aufgewühlter Leben, in das sie nun zufriedener und gelassener zurückkehrten. Kann Freundschaft mehr sein?

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