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Donnerstag, 4. Februar 2010
Im Reisezentrum gibt's jetzt rote Ledersofas
oskar-kasimir, 11:17h
OSKARs Job ist vielseitig, momentan stressig, weil diverse Stichtage im Kalender eingetragen sind, was zu (hoffentlich) vorübergehender Mehrbelastung führt. Aus der halben Stelle wird dann eine mit mehr als doppelt so vielen Überstunden wie er wöchentlich überhaupt arbeiten müsste laut Vertrag. Er macht das gern und investiert die Zeit.
Wenn dann aber, dunkler Morgen, graue Zeiten vor dem Fenster, die Wohnung ausgekühlt, er sich aus dem Bett quält und mehr als pünktlich an der Tramhaltestelle steht, um mit der Weiß-Blauen zum Bahnhof zu fahren, von wo er den Pendlerzug in die Vorstadt nehmen würde, wenn dann die besagte Tram erst fünf Minuten später kommt und sie auf der restlichen Strecke, die sonst nicht mehr als sieben Minuten Fahrtzeit in Anspruch nimmt, länger als eine Viertelstunde unterwegs ist, dann ist OSKAR extrem angenervt. Eine halbe Stunde verschwendet, die er entweder sinnvoll am Schreibtisch oder noch viel sinnvoller im Bett hätte verbringen können – statt im Reisezentrum der DB, um auf den nächsten Vorortzug zu warten.
Wenn dann aber, dunkler Morgen, graue Zeiten vor dem Fenster, die Wohnung ausgekühlt, er sich aus dem Bett quält und mehr als pünktlich an der Tramhaltestelle steht, um mit der Weiß-Blauen zum Bahnhof zu fahren, von wo er den Pendlerzug in die Vorstadt nehmen würde, wenn dann die besagte Tram erst fünf Minuten später kommt und sie auf der restlichen Strecke, die sonst nicht mehr als sieben Minuten Fahrtzeit in Anspruch nimmt, länger als eine Viertelstunde unterwegs ist, dann ist OSKAR extrem angenervt. Eine halbe Stunde verschwendet, die er entweder sinnvoll am Schreibtisch oder noch viel sinnvoller im Bett hätte verbringen können – statt im Reisezentrum der DB, um auf den nächsten Vorortzug zu warten.
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Samstag, 30. Januar 2010
bestechende Logik!
oskar-kasimir, 21:49h
Die Tochter von OSKARs Vorgesetzter und Kollegin ist vier Jahr alt. Eine energische und willensstarke Person. Neugierig und nimmer müde, den Dingen und zwischenmenschlichen Beziehungen auf den Grund zu gehen. Vor ein paar Tagen waren die beiden gemeinsam im Büro - das Kind konnte nicht in den Kindergarten. Zwar sind einige Mitarbeiter der Institution in machnerlei Hinsicht in OSKARs Augen mehrmals kindergartenverdächtig, dennoch fanden sich am Tage des kindlichen Büroaufenthalts nur mäßig viele Spielkameraden. Ohne Frage bietet so ein Büro allerlei Aufregendes, aber bei beständig ertönendem 'Nein, nicht die Hängeregister ausräumen', 'Nein, nicht die E-Mails löschen' oder 'Nein, Du musst den Schreibtisch der Sekretärin nicht aufräumen' wird es dann so ganz ohne Spielgefährtinnen und Beschäftigungsmöglichkeiten langweilig. Mitgebrachte Spielsachen hin oder her.
Wie gut, dass es neben der Frau Mama aber auch noch --- genau: deren Kolleginnen und Kollegen gibt. Besser gesagt: gäbe. Die waren nämlich entweder im Urlaub oder ebenfalls krank. Lediglich OSKAR, in Kinderspielfragen eher unerfahren, aber in gleichem Maße für selbige zu begeistern, war zugegen. Spielend spielte er sich - unbeabsichtigt - ins Herz der kleinen Dame.*
Diese fasste schließlich den Entschluss, dass OSKAR jetzt für sie zuständig ist. Sie arbeiteten also den Nachmittag über zusammen:
- OSKAR hielt die Türen auf für das Kind, das unter Aufbietung all' seiner Kräfte eine dieser gelben Postkisten zum Postraum trug; darin drei Briefe.
- OSKAR musste telefonieren, Madame wählte die Nummer.
- OSKAR musste mit der Madame-Mama etwas klären. Das Kind begleitete ihn.
- usw.
Gegen Ende des Tages zwei Fragen des Kindes:
Situation 1:
Kind: "Bist Du Mamas Chef?"
- Nein. Mama ist mein Chef.
Kind stutzt und denkt offensichtlich sehr angestrengt nach: Aber Du bist doch größer!
Lehre: Sagt Euren Kindern nicht, dass sie dies oder jenes dürfen, wenn sie GRÖSSER sind. Das hat nämlich mit deren Größe in der Regel nix zu tun, sondern mit dem Alter! - OSKAR allerdings hätte nix dagegen, die Rangordnung in der Abteilung dieser bestechendenen Logik gemäß neu zu sortieren. Dann wäre er nämlich Chef!
Situation 2:
Kollegin und OSKAR unterhalten sich, müssen dann eine gemeinsame Mail schreiben. OSKAR sitzt in der Hocke neben des Kindes Mutter vor deren Bildschirm.
Kind aus dem Hintergrund: "Mama, küsst Du eigentlich auch andere Männer als Papa?"
Mutter leicht irritiert: "Nein, ich küsse nur Papa."
Kind: "Ach so. Auch OSKAR nicht?"
Mutter guckt ihr Kind an, guckt OSKAR an: "Äh, nein!"
Kind: "Wieso nicht?"
Mutter leicht nervös: "Das erkläre ich Dir zu Hause."
OSKAR und Mutter grinsen beide enorm in sich hinein. Soooo gute Arbeitsbeziehungen pflegen sie tatsächlich nicht!
*Die Mutter, mit der auf gutem Fuße steht, meinte später gegenüber OSKARs direkter Kollegin: "Er hat Schlag bei älteren Damen und jungen Fräuleins. Jetzt muss er also nur noch SEINE Altersgruppe 'lernen'." Recht hat sie. Das aber nur am Rande!
Wie gut, dass es neben der Frau Mama aber auch noch --- genau: deren Kolleginnen und Kollegen gibt. Besser gesagt: gäbe. Die waren nämlich entweder im Urlaub oder ebenfalls krank. Lediglich OSKAR, in Kinderspielfragen eher unerfahren, aber in gleichem Maße für selbige zu begeistern, war zugegen. Spielend spielte er sich - unbeabsichtigt - ins Herz der kleinen Dame.*
Diese fasste schließlich den Entschluss, dass OSKAR jetzt für sie zuständig ist. Sie arbeiteten also den Nachmittag über zusammen:
- OSKAR hielt die Türen auf für das Kind, das unter Aufbietung all' seiner Kräfte eine dieser gelben Postkisten zum Postraum trug; darin drei Briefe.
- OSKAR musste telefonieren, Madame wählte die Nummer.
- OSKAR musste mit der Madame-Mama etwas klären. Das Kind begleitete ihn.
- usw.
Gegen Ende des Tages zwei Fragen des Kindes:
Situation 1:
Kind: "Bist Du Mamas Chef?"
- Nein. Mama ist mein Chef.
Kind stutzt und denkt offensichtlich sehr angestrengt nach: Aber Du bist doch größer!
Lehre: Sagt Euren Kindern nicht, dass sie dies oder jenes dürfen, wenn sie GRÖSSER sind. Das hat nämlich mit deren Größe in der Regel nix zu tun, sondern mit dem Alter! - OSKAR allerdings hätte nix dagegen, die Rangordnung in der Abteilung dieser bestechendenen Logik gemäß neu zu sortieren. Dann wäre er nämlich Chef!
Situation 2:
Kollegin und OSKAR unterhalten sich, müssen dann eine gemeinsame Mail schreiben. OSKAR sitzt in der Hocke neben des Kindes Mutter vor deren Bildschirm.
Kind aus dem Hintergrund: "Mama, küsst Du eigentlich auch andere Männer als Papa?"
Mutter leicht irritiert: "Nein, ich küsse nur Papa."
Kind: "Ach so. Auch OSKAR nicht?"
Mutter guckt ihr Kind an, guckt OSKAR an: "Äh, nein!"
Kind: "Wieso nicht?"
Mutter leicht nervös: "Das erkläre ich Dir zu Hause."
OSKAR und Mutter grinsen beide enorm in sich hinein. Soooo gute Arbeitsbeziehungen pflegen sie tatsächlich nicht!
*Die Mutter, mit der auf gutem Fuße steht, meinte später gegenüber OSKARs direkter Kollegin: "Er hat Schlag bei älteren Damen und jungen Fräuleins. Jetzt muss er also nur noch SEINE Altersgruppe 'lernen'." Recht hat sie. Das aber nur am Rande!
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Sonntag, 24. Januar 2010
Post von den Stadtwerken
oskar-kasimir, 16:28h
OSKAR wohnt zur Miete. Ein Haus in mittelprächtigem Zustand, neun Parteien. Vermieter ist eine Import- und Exportfirma, ansässig in der Stadt am großen Fluss. Seit einem Jahr hat die Betreuung der Immobilie eine große und darauf spezialisierte Verwaltungsgesellschaft übernommen. Zuvor war es ein älteres Männlein, der direkt für die Firma arbeitete, dort schon in die Lehre gegangen war und sich persönlichst um auszuwechselnde Birnen, defekte Lichtschalter und insbesondere auch die Mieter gekümmert hat. Da wurde vor dem Einzug neuer WG-Mitbewohner schonmal ein Termin zur Begutachtung gemacht und bei männlichen Kandidaten gefragt, ob sie 'gedient' hätten... Sehr korrekt, sehr penibel, mit einem Hang zum Kleinlichen. Herr L. war aber insgsamt ein Kümmerer. Bei Anruf: Kümmern.
Mit der neuen Hausverwaltung ist das etwas anders. Bei Anruf: die zuständige Immobiliensachverwalterin ist nicht am Platz, telefoniert gerade, ruft zurück, lalala. Hinterlässt man eine Nachricht, die nicht mindestens eine 'fristlose Kündigung', ein 'Öltank läuft aus' oder 'Treppenhaus ist zusammengekracht' beinhaltet, wird nicht zurückgerufen. Zudem ist die Sekretärin einigermaßen unfähig, Telefonnummern korrekt zu notieren... OSKAR allerdings hat die für seine Immobilie zuständige Dame inzwischen für sich eingenommen. Sie scherzen, lachen, haben einen guten Draht zueinander entwickelt. Nicht poltern und meckern, sondern höflich und mit einer Prise Humor nachfragen... Wie heißt es: Güte zupft Haare aus dem Schnurrbart des Löwen...
Vor diesem Hintergrund ist er gespannt, was er am Montag zu hören bekommt, wenn er dezent nachfragen wird, was es mit dem Brief des Gasversorgers auf sich hat, den alle Parteien im Haus erhielten:
Unter dem Betreff "Ankündigung der Abtrennung" steht unter anderem zu lesen, dass "nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Niederdruckanschlussverordnung" der "Anschlussnehmer (d.h. grundsätzlich der Eigentümer) für die ordnungsgemäße Instandhaltung der Gasanlage verantwortlich ist." Es folgt eine Erläuterung, dass Mängel daher von diesem zu beheben sind. "Trotz mehrfacher Aufforderung ist der Eigentümer der o.g. Immobilie dieser Forderung bislang nicht gefolgt. - Zur Vermeidung von Personen - und Sachschäden sind wir verpflichtet, den Gasanschluss ohne weiteren Hinweis am 27.01.2010 von unserem Versorgungsnetz zu trennen." Der Vermieter sei mehrfach informiert worden; nun bitten die Stadtwerke "insofern um Kenntnisnahme und regen eine Kontaktaufnahme mit Ihrem Vermieter an."
Gerne. Danke für den Tipp! OSKAR ist einigermaßen dankbar, dass sein Vermieter zwar ein Schlendrian, zugleich aber auch eine Ökosau ist und daher die Hütte mit Öl geheizt und die Warmwasserbereitung in OSKARs Wohnung mit Strom funktioniert. Lediglich die Suppe wird er daher kalt essen müssen. Was die anderen Bewohner allerdings tun werden, die nurmehr kaltes Wasser haben werden? Vielleicht sollte OSKAR sein Badezimmer 15-Minuten-Weise vermieten?
Mit der neuen Hausverwaltung ist das etwas anders. Bei Anruf: die zuständige Immobiliensachverwalterin ist nicht am Platz, telefoniert gerade, ruft zurück, lalala. Hinterlässt man eine Nachricht, die nicht mindestens eine 'fristlose Kündigung', ein 'Öltank läuft aus' oder 'Treppenhaus ist zusammengekracht' beinhaltet, wird nicht zurückgerufen. Zudem ist die Sekretärin einigermaßen unfähig, Telefonnummern korrekt zu notieren... OSKAR allerdings hat die für seine Immobilie zuständige Dame inzwischen für sich eingenommen. Sie scherzen, lachen, haben einen guten Draht zueinander entwickelt. Nicht poltern und meckern, sondern höflich und mit einer Prise Humor nachfragen... Wie heißt es: Güte zupft Haare aus dem Schnurrbart des Löwen...
Vor diesem Hintergrund ist er gespannt, was er am Montag zu hören bekommt, wenn er dezent nachfragen wird, was es mit dem Brief des Gasversorgers auf sich hat, den alle Parteien im Haus erhielten:
Unter dem Betreff "Ankündigung der Abtrennung" steht unter anderem zu lesen, dass "nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Niederdruckanschlussverordnung" der "Anschlussnehmer (d.h. grundsätzlich der Eigentümer) für die ordnungsgemäße Instandhaltung der Gasanlage verantwortlich ist." Es folgt eine Erläuterung, dass Mängel daher von diesem zu beheben sind. "Trotz mehrfacher Aufforderung ist der Eigentümer der o.g. Immobilie dieser Forderung bislang nicht gefolgt. - Zur Vermeidung von Personen - und Sachschäden sind wir verpflichtet, den Gasanschluss ohne weiteren Hinweis am 27.01.2010 von unserem Versorgungsnetz zu trennen." Der Vermieter sei mehrfach informiert worden; nun bitten die Stadtwerke "insofern um Kenntnisnahme und regen eine Kontaktaufnahme mit Ihrem Vermieter an."
Gerne. Danke für den Tipp! OSKAR ist einigermaßen dankbar, dass sein Vermieter zwar ein Schlendrian, zugleich aber auch eine Ökosau ist und daher die Hütte mit Öl geheizt und die Warmwasserbereitung in OSKARs Wohnung mit Strom funktioniert. Lediglich die Suppe wird er daher kalt essen müssen. Was die anderen Bewohner allerdings tun werden, die nurmehr kaltes Wasser haben werden? Vielleicht sollte OSKAR sein Badezimmer 15-Minuten-Weise vermieten?
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